Yahoo! verlässt China

Laut Reuters.com hat Yahoo! am vergangenen Montag seine Dienste auf dem chinesischen Festland eingestellt. Das Unternehmen nannte ein „zunehmend herausforderndes geschäftliches und rechtliches Umfeld“ als Ursache und ist dabei die zweite große amerikanische Plattform, die im letzten Monat seine chinesischen Aktivitäten eingestellt hat.

“Angesichts des immer schwieriger werdenden geschäftlichen und rechtlichen Umfelds in China wird Yahoo ab dem 1. November nicht mehr vom chinesischen Festland aus zugänglich sein.” Yahoo! genannt.

Amerikas Tech-Präsenz hat sich in China verflüchtigt. Im Oktober kündigte Microsoft an, seine lokale Version von LinkedIn in China einzustellen, und beklagte ebenfalls “das deutlich schwierigeres Betriebsumfeld“. Die chinesische Regierung hat auch zahlreiche andere Plattformen, darunter Google, Facebook, Instagram, YouTube, Twitter, Pinterest, Twitch und Reddit für ihre inländischen Nutzer gesperrt. Lediglich Bing scheint (noch!) die einzige große Plattform zu sein, die für chinesische Nutzer noch zugänglich ist.

Nach chinesischem Recht müssen Unternehmen ihre Daten auf Anfrage an lokale Behörden übermitteln. Die Daten könnten verwendet werden, um Dissidenten zu identifizieren und zu verfolgen, wie es bereits im Jahr 2007 der Fall war, als Yahoo! sensible E-Mails an chinesische Behörden übergab, die zur Verurteilung des systemkritischen chinesischen Journalisten Shi Tao beigetragen haben. Die in China tätige Unternehmen könnten also von der Regierung unter Druck gesetzt werden, um den chinesischen Behörden bei der Unterdrückung der freien Meinungsäußerung helfen.

Obwohl das in der Erklärung von Yahoo! nicht ausdrücklich erwähnt wird, fällt der Rückzug mit Chinas neuem Gesetz zum Schutz personenbezogener Daten zusammen, das ebenfalls am 1. November 2021 in Kraft getreten ist. Das Gesetz schränkt ein, welche Daten Unternehmen erheben dürfen und legt Anforderungen für deren Speicherung fest . In der Ankündigung von Microsoft, die lokale Version von LinkedIn zu schließen, nannte das Unternehmen “strengere Compliance-Anforderungen“ als Grund für seine Entscheidung.

Im August führte China bereits neue Regeln ein, die die Zeit, die Minderjährige mit Videospielen verbringen können, auf drei Stunden pro Woche begrenzen, ein Schritt, der angeblich notwendig sei, um die Spielsucht zu bekämpfen. Es war ein schwerer Schlag für die globale Spieleindustrie, die zig Millionen junger Spieler auf dem lukrativsten Markt der Welt bedient.

Yahoo! hatte seine Präsenz in China in den letzten Jahren bereits stark zurückgefahren. Bis Montag hatte sie noch eine Wetter-App und einige Seiten betrieben, die Nachrichtenartikel in Fremdsprachen zeigten.

Zur Erinnerung: Yahoo trat 1998 in China ein und schloss 2012 einen Deal mit der Alibaba Group (9988.HK) ab, um seine Beteiligung an dem E-Commerce-Riesen zu verkaufen. Durch den Deal erhielt Alibaba auch das Recht, Yahoo China für bis zu vier Jahre unter der Marke Yahoo zu betreiben.

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