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Stichprobe vom 17. September 2026. Bevor eine Marke einen zweiten Marktplatz startet, stellt sie meist die falsche Frage: Lohnt sich Otto? Lohnt sich Kaufland? Die richtige Frage ist einfacher und wird fast nie gestellt: Gibt es meine Produktkategorie dort überhaupt? Wir haben es für eine ganze Warengruppe ausprobiert, und das Ergebnis war eindeutig.
Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Auf Otto lieferte die Suche nach „Vaporizer“ 843 Treffer, darunter kein einziger Verdampfer.
- Auf Kaufland brachte „Vaporizer Kräuter“ 199 Treffer, überwiegend T-Shirts.
- Auf Amazon dagegen eine vollständige Kategorie mit Marktführern, vierstelligen Bewertungszahlen und eigenem Anbieterfilter.
- Eine Kategorie existiert auf einem Marktplatz erst, wenn jemand sie aufgebaut hat. Fehlt sie, bleibt sie oft dauerhaft leer.
- Mit einer Prüfung in zehn Minuten findest du heraus, ob sich ein zweiter Marktplatz für dein Sortiment lohnt.

Was passiert ist
Wir haben uns eine Produktkategorie angesehen, in der wir neue Kunden suchen: Verdampfer für Kräuter, also Geräte im Bereich von 60 bis 350 Euro, deutsche Hersteller, ein wachsender Markt. Der übliche Gedanke: Die sitzen alle auf Amazon, auf Otto und Kaufland ist Platz, das ist die Chance.
Also haben wir nachgesehen. Nicht überflogen, sondern durchsucht und die Treffer einzeln gelesen.
Otto, Suchbegriff „Vaporizer“: 843 Treffer. Darunter kein einziger Verdampfer. Stattdessen Drogenschnelltests, Zigarrenschneider, Shishas, Inhalationsgeräte für Kinder und elektrische Zigarettendrehmaschinen.
Kaufland, Suchbegriff „Vaporizer Kräuter“: 199 Treffer. Überwiegend T-Shirts. Dazu ein Ersatzteil für ein Gerät, das dort selbst nicht verkauft wird.
Auf Amazon dagegen: eine vollständige, funktionierende Kategorie. Die bekannten Hersteller, Bewertungszahlen im vierstelligen Bereich, sichtbare Verkaufszahlen, ein eigener Anbieterfilter.
Die Marktführer dieser Kategorie sind auf Otto und Kaufland nicht vertreten. Nicht schlecht vertreten. Gar nicht.
Warum das kein Zufall ist
Ein Marktplatzkatalog ist kein Register aller Waren der Welt. Er ist die Summe dessen, was Händler dort hochgeladen haben, sortiert in einen Kategoriebaum, den der Marktplatz vorgibt.
Daraus folgt etwas, das in keiner Agenturpräsentation steht: Eine Kategorie existiert auf einem Marktplatz erst, wenn jemand sie aufgebaut hat. Fehlt der passende Ast im Kategoriebaum, fehlen die Filter. Fehlen die Filter, findet niemand etwas. Findet niemand etwas, lädt niemand etwas hoch. Der Kreis schließt sich, und die Kategorie bleibt leer.

Die 843 Otto-Treffer sind genau das: Die Suchmaschine liefert notgedrungen das, was inhaltlich am nächsten liegt. Wenn es keine Verdampfer gibt, bekommst du Shishas und Drogentests. Wie stark die richtige Kategorie über die Auffindbarkeit entscheidet, zeigt auch unsere Stichprobe Zehn Kataloge geprüft, keiner war sauber: Vier von zehn Marken führten dort Artikel in einer fachfremden Kategorie. Und warum gerade die ersten Zeichen eines Titels zählen, erklären wir in Amazon-Titel auf 75 Zeichen.
Die Gegenprobe, damit das fair bleibt
Das ist ausdrücklich kein Beitrag gegen Otto und Kaufland. In derselben Woche haben wir für andere Kategorien das genaue Gegenteil gesehen.
Eine Angelmarke, die wir uns angesehen haben, hat auf Otto eine eigene Markenseite mit Filter. Eine Rutenmarke ebenfalls. Modellbahnhersteller finden dort ihre Zubehörkategorie. Für Haus und Garten, Wohnen, Textil, Sport und Spielwaren sind beide Marktplätze ernstzunehmende Kanäle mit echten Käufern. Was Otto als Marktplatz gerade auszeichnet, liest du in Otto Marktplatz 2026: Was Händler jetzt wissen müssen, für Kaufland in Auf Kaufland verkaufen 2026. Wer im Bereich Haus, Garten und Heimwerken unterwegs ist, sollte zusätzlich ManoMano prüfen.
Der Unterschied liegt nicht am Marktplatz. Er liegt an der Kategorie.
Die Prüfung, die zehn Minuten dauert
Bevor du Zeit oder Geld in einen zweiten Marktplatz steckst, mach das hier. Du brauchst dafür keine Agentur und kein Tool.

Erstens: Such deinen generischen Produktbegriff. Nicht deine Marke, sondern das, was ein Kunde eintippen würde. Lies die ersten zwanzig Treffer und frag dich bei jedem: Ist das wirklich mein Produkt oder nur etwas, das ähnlich klingt?
Zweitens: Such deinen stärksten Wettbewerber. Wenn der Marktführer deiner Kategorie dort nicht verkauft, ist das kein Zeichen von Nachlässigkeit. Große Marken prüfen Kanäle. Wenn alle fehlen, fehlt der Kanal, nicht die Marken.
Drittens: Sieh dir den Kategoriebaum an. Gibt es überhaupt einen Ast, unter dem dein Produkt sinnvoll einsortiert werden kann? Gibt es Filter, die zu deinen Produktmerkmalen passen? Wenn dein Gerät unter „Sonstiges“ landet, wird es dort auch nie gefunden.
Viertens: Sieh dir die Anbieter an. Amazon und Kaufland zeigen dir, wer in einer Suche verkauft. Wenn dort nur namenlose Importeure stehen, sagt dir das etwas über den Reifegrad der Kategorie.
Drei von vier Antworten fallen negativ aus? Dann spar dir den Kanal. Vorerst. Einen Überblick, welcher Marktplatz zu welchem Sortiment passt, gibt dir unser Marktplatzvergleich 2026.
Was das für deine Strategie heißt
Es gibt zwei Fehler bei der Marktplatz-Expansion, und der zweite ist der teurere.
Der erste Fehler: nur auf Amazon zu verkaufen, obwohl deine Kategorie auf Otto oder Kaufland längst funktioniert. Das kostet Umsatz, den jemand anderes macht.
Der zweite Fehler: ein Sortiment auf einen Marktplatz zu heben, auf dem es keine Nachfragestruktur gibt. Das kostet Einrichtung, Produktdatenpflege, Bilder, Retourenabwicklung und jeden Monat Aufmerksamkeit. Für Klicks, die nicht kommen. Und weil sich das schleichend anfühlt und nicht wie ein Knall, läuft es oft zwei Jahre weiter.
Der Unterschied zwischen beiden Fehlern ist eine Suchabfrage.
Wenn deine Kategorie auf Amazon gut funktioniert, liegt der größere Hebel oft dort: bei Titeln, Markenauftritt und Werbung. Wie das aussieht, beschreiben wir unter Amazon SEO und Amazon Advertising. Und wer über Deutschland hinaus denkt, findet mit Kaufland.nl und Kaufland.es oder bol.com weitere Kanäle, für die dieselbe Prüfung gilt.
Warum wir das trotzdem schreiben
Wir verkaufen Marktplatzbetreuung. Für uns wäre es bequemer zu sagen: Amazon, Otto und Kaufland, alles aus einer Hand, jeder Kanal ein eigener Posten auf der Rechnung.
Nur halten solche Empfehlungen keine sechs Monate. Nach zwei Quartalen sieht jeder Hersteller im eigenen Bericht, dass der zweite Kanal nichts bringt, und dann ist nicht nur der Kanal weg, sondern das Vertrauen.
Deshalb lieber vorher: Ein zweiter Marktplatz ist eine Ergänzung, keine Verdopplung. Und manchmal ist er gar nichts.
Häufige Fragen zur Marktplatzkategorie
Wie finde ich heraus, ob es meine Kategorie auf Otto oder Kaufland gibt?
Such deinen generischen Produktbegriff, nicht deine Marke, und lies die ersten zwanzig Treffer. Prüf dann, ob dein stärkster Wettbewerber dort verkauft und ob es im Kategoriebaum einen passenden Ast mit Filtern gibt. Das dauert zehn Minuten.
Warum zeigt Otto bei „Vaporizer“ Shishas und Drogentests?
Weil es die Kategorie dort nicht gibt. Die Suche liefert dann das, was inhaltlich am nächsten liegt. Für Käufer ist das ein Signal, dass sie dort nicht richtig sind, und genau deshalb kommen auch keine Verkäufer nach.
Lohnt sich Kaufland oder Otto für jede Produktkategorie?
Nein. Für Haus und Garten, Wohnen, Textil, Sport und Spielwaren sind beide Marktplätze starke Kanäle. In Nischen ohne aufgebaute Kategorie fehlen dagegen Filter, Käufer und Nachfrage. Die Prüfung vorher entscheidet.
Kann ich eine fehlende Kategorie selbst aufbauen?
Kategoriefragen lassen sich mit dem Händlersupport des Marktplatzes klären. Eine ganz neue Kategorie entsteht aber selten auf Wunsch einer einzelnen Marke, und ohne Käufer, die dort suchen, bleibt sie leer. Für die meisten Hersteller ist es wirtschaftlicher, zuerst die Kanäle auszubauen, auf denen ihre Kategorie schon funktioniert.
Wie wir dich unterstützen
Du willst wissen, wie es für deine Kategorie aussieht? Schreib uns, welches Produkt du verkaufst. Wir sehen auf Amazon, Otto und Kaufland nach und schicken dir eine ehrliche Einschätzung, auch wenn sie lautet: lass es. Oder wir gehen es gemeinsam im kostenlosen 30-Minuten-Marktplatz-Check durch.
Wenn sich der Kanal lohnt, übernehmen wir den Aufbau auf Wunsch komplett oder unterstützen dein Team als Berater, auf Otto, Kaufland und Amazon. Unsere Leistungen und Preise findest du unter Pakete und Preise, oder sprich uns direkt an.
Quellen
- Bare Marketing: eigene Stichprobe auf Otto.de, Kaufland.de und Amazon.de vom 17.09.2026, Suchbegriffe „Vaporizer“ und „Vaporizer Kräuter“, Treffer einzeln gesichtet

